Kritik am Chef

Kritik am Chef

WIE IHNEN FEEDBACK AUCH IN SCHWIERIGEN SITUATIONEN GELINGT!

Launisch, nie zufrieden, keine Zeit und immer alles auf den letzten Drücker – leider werden uns auch solche Führungskräfte vor die Nase gesetzt. Viele Arbeitnehmer können auf Anhieb dutzende Situationen und Verhaltensweisen ihres Chefs aufzählen, die sie zur Weißglut treiben und ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken lassen.

Unzufriedenheit mit dem Chef ist ein heikles und belastendes Thema. Einem Kollegen mal die Meinung zu sagen, verlangt schon viel Mut ab. Aber dem eigenen Boss den Spiegel vorzuhalten, scheint für viele unmöglich. Es steht ja auch einiges auf dem Spiel: das Ansehen im Unternehmen, die zukünftige Karriere und im worst cast der Arbeitsplatz.

Dennoch gibt es viele Gründe, das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen. Unzufriedenheit hat immer einen Ursprung. Diesen zu kennen und zu kommunizieren ist sehr wichtig. Ein höfliches Kritikgespräch bietet die Chance, etwas zu verändern. Wir können unsere Zufriedenheit und Zukunft aktiv gestalten.




WIE BEREITEN SIE SICH AUF EIN KRITIKGESPRÄCH MIT IHREM VORGESETZTEN VOR?

Viele Vorgesetzte assoziieren Kritik mit Schwäche und reagieren deshalb sehr abweisende und ignorieren Feedback, selbst wenn es sehr hilfreich und wohlwollend gemeint ist. Damit Sie mit Ihrer Kritik beim Chef nicht abblitzen, sollten Sie folgendes beachten:


Ziele festlegen

Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch vor, indem Sie sich Ihre Ziele überlegen. Was möchten Sie mit dem Gespräch erreichen? Was ist Ihre Kernbotschaft? Nur selten geht es darum Recht zu bekommen oder eine Einigung zu erzwingen. Oftmals möchten wir einfach nur verstanden werden oder Veränderungen anregen.


Die Notwendigkeit hinterfragen

Kritik am Chef ist ein großes Wagnis, stellen Sie sich daher vorab die Frage, ob Ihre Kritik auch wirklich notwendig ist. Trägt sie tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation bei oder dient sie Ihnen eher als Ventil um mal richtig Dampf abzulassen? Mit welchen schwerwiegenden Konsequenzen müssen Sie rechnen, wenn Sie das Gespräch nicht führen? Zudem sollten Sie sich sicher sein, dass Ihnen die Kritik auch zusteht. Lassen Sie sich nicht von Kollegen vor den Wagen spannen. Äußeren Sie sich nur zu Dingen, für die Sie auch zuständig sind.


Die richtige Zeit & der richtige Ort

Ich halte es wie Mark Twain: "Ich liebe Kritik, aber ich muss damit einverstanden sein." Das heißt nicht, dass ich für Kritik taub bin, es bedeutet nur, dass ich nicht überrumpelt werden möchte. Daher mein Rat an Sie, klären Sie Probleme nicht zwischen Tür und Angel. Vereinbaren Sie einen festen Termin mit Ihrem Chef. So sind Sie sich der Aufmerksamkeit Ihres Vorgesetzten sicher. Er fühlt sich nicht überstürmt. Achten Sie allerdings darauf Ihr Feedback zeitnah anzubringen und sprechen Sie nicht über Vorfälle, die schon längst verjährt sind. Vermeiden Sie aber auch zu vorschnell in das Büro Ihres Chefs zu stürzen. Gewinnen Sie etwas Abstand, fahren Sie Ihre Emotionen runter und lassen Sie Ihren Adrenalinspiegel abklingen. Bitten Sie dann erst um ein Gespräch. Achten Sie darauf Ihre Kritik ausschließlich mündlich in einem Vieraugengespräch darzulegen. Alles was Sie schriftlich versenden, kann womöglich später gegen Sie verwendet werden.


Die richtige Einstellung

Für das Gelingen des Gesprächs ist die richtige Grundeinstellung Voraussetzung. Ein Kritikgespräch ist kein Krieg. Es geht nicht um Verlieren oder Gewinnen. Ihr Ziel sollte es sein, Ihren Standpunkt und Ihre Wünsche zu äußern, sich aber auch für die Sichtweise deines Vorgesetzten zu interessieren. Nehmen Sie sich vor, die Aussagen Ihres Chefs nicht zu beurteilen oder gegen ihn zu argumentieren. Versuchen Sie ihn und seinen Standpunkt zu verstehen. Dazu führen Sie keinen Monolog mit sich selbst, sondern binden Sie ihn aktiv in das Gespräch ein. Stellen Sie offene Fragen und lassen Sie ihn seine Sichtweise erklären. Und das Wichtigste: Zeigen Sie Respekt, schließlich reden Sie mit Ihrem Chef.




FEEDBACK HÖFLICH VERPACKEN

www. Feedback. de

Wenn Sie alle Weichen für ein gutes Kritikgespräch gelegt haben, werden Sie Ihrem Vorgesetzten viel entspannter begegnen können. Die Frage die bleibt, ist: „Wie verpacken Sie Ihre Kritik höflich und öffnen die Ohren Ihres Chefs für Ihre Anliegen?“

Zur Beantwortung dieser Frage bekommen Sie einen Fahrplan von mir, der www. feedback .de heißt.

W|ahrnehmung: Das erste „W“ des Fahrplans steht für Wahrnehmung. Zum Einstieg in das Gespräch ist es wichtig, dass Sie Ihre Beobachtungen schildern. Was ist Ihnen aufgefallen? Versuchen Sie hier von konkreten Situationen zu berichten und Beispiele anzuführen. Vermeiden Sie Spekulationen oder Hörensagen. So umgehen Sie als Lamentierer oder Nörgler disqualifiziert zu werden und Sie vermitteln stattdessen Souveränität und Qualitätsstreben. Binden Sie Ihren Chef aktiv in das Gespräch ein, um ihn nach seiner Wahrnehmung zu fragen.

W|irkung: Das zweite „W“ steht für Wirkung. Schildern Sie Ihrem Vorgesetzten welche Wirkung der kritisierte Umstand auf Sie hat und warum es Ihnen so wichtig ist darüber zu sprechen. Erst wenn er erfährt, wie Sie die Situation interpretieren, kann er Verständnis für Sie aufbringen und die Relevanz des Themas verstehen.

W|unsch: Das letzte „W“ steht für einen Wunsch. Teilen Sie Ihrem Vorgesetzten mit, welche Veränderung Sie sich konkret wünschen. Bisher haben Sie nur die Chance genutzt zu verdeutlich, was Ihnen missfällt. Mit diesem zusätzlichen Schritt zeigen Sie einmal mehr, dass Sie nicht nur zum Nörgeln berufen sind, sondern greifbare Verbesserungen anstreben. Zudem ist es ein deutlicher Appell an Ihre Führungskraft, hinter dem sie sich nur schwer verstecken kann.

Befolgen Sie diese Schritte, stehen die Chancen gut, dass Ihre Kritik Gehör findet. Eine Garantie dafür, dass Ihr Chef Ihre Anregungen tatsächlich annimmt und Veränderungen umsetzt, gibt es allerdings nicht.




KRITIKFÄHIGKEIT ZEIGEN

Um meinen Fahrplan zum gelungenen Feedback vollständig aufzulösen, fehlen noch zwei weitere Schritte, die sich aus dem ".de" ergeben. Die letzten beiden Schritte beschreiben, wie kritikfähige Menschen mit dem Feedback umgehen.

D|anken: Kritikfähige Menschen bedanken sich für Feedback, denn Feedback ist ein Geschenk. Erst durch eine konkrete Rückmeldung erfahren wir, wie wir von anderen wahrgenommen werden. Manchmal enthüllen wir dadurch Dinge, die wir nicht in unseren kühnsten Träumen erwartet hätten. Eine Rechtfertigung oder eine Rückmeldung zum Feedback sind nicht notwendig. Für den Feedbackgeber ist es zudem schön zu erfahren, dass er verstanden wurde und über die Rückmeldung nachgedacht wird.

E|ntscheiden: Im zweiten Schritten entscheidet ein guter Feedback-Nehmer, ob er sich das Feedback annehmen möchten oder nicht. Dazu kann es manchmal hilfreich sein, die Meinungen weiterer Personen einzuholen. Entscheidet sich eine Führungskraft dazu, das Feedback eines Mitarbeiters nicht anzunehmen und auch seinem Wunsch nicht nachzugehen, ist es förderlich diese Entscheidung zu erklären.


Kurz das Wichtigste zusammengefasst: "Ihr habt das Recht, gesittet pfui zu sagen." Johann Wolfgang von Goethe


Viel Erfolg bei Ihrem nächsten Kritikgespräch! Ich freue mich zu erfahren, wie es Ihnen gelungen ist.

PS: Meine Empfehlungen im Umgang mit Kritik am Chef funktionieren natürlich genauso gut bei Kollegen.

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