Mythos Brainstorming

Mythos Brainstorming

Warum Teams lieber auf Brainstorming verzichten sollten! 

Es war 1939 als Alexander Osborn uns ein Werkzeug in die Hand gab, von dem er dachte, dass es uns helfen wird einen wahrhaften Sturm an neuen Ideen zu generieren. Das Brainstorming!

Der Name kommt tatsächlich von der bildhaften Vorstellung, ein Problem mit unzähligen Ideen zu überstürmen. Das klingt sehr nützlich. Doch wenn wir mit unseren Teams, im Sturm nicht untergehen wollen, sollten wir lieber nicht auf Brainstorming setzten. Unter den Füchsen der Kreativitätsbranche ist es sicherlich schon bekannt, dass das was sich Herr Osborn damals dachte, leider in der Realität nicht funktioniert.

Es klingt recht einfach. Man nehme ein Team. Gemeinsam sammelt man so viele Ideen wie möglich. Je ungewöhnlicher die Idee, desto besser. Die Ideen versucht man dann zu ergänzen und zu verbessern. Kritik & Killerphrasen sind jedoch strengstens verboten!

Folgt man diesem einfachen Rezept hat man den Garant für unzählige und qualitativ hochwertige Ideen auf der Hand.

So einfach?

Leider nein!

 

Brainstorming für die Katz? 

Bereits 1958 zeigten erste Forschungsergebnisse von der Stanford Universität, dass Brainstorming anders als erwartet, sogar ideenhemmend wirkt.

In der Untersuchung von Taylor, Berry und Block erkannte man erstmals, dass vier Einzelpersonen unabhängig voneinander, in Summe mehr gute Ideen generieren, als eine Gruppe von vier Personen.

Es folgten einige Untersuchungen, die das Ziel hatten, die Ehre des Brainstormings zu retten. Aber in all diesen Experimenten erreichten Teams mit Brainstorming nicht annähernd so viele und gute Ideen, wie Personen die individuell nach Lösungen suchten.

 

Erklärungsversuche

Erklärungsversuche für dieses niederschmetternde Ergebnis bewegten sich damals in unterschiedliche Richtungen:

  • Die Theorie der Produktionsblockierung ging davon aus, dass Teammitglieder, den es gerade untersagt ist ihre Idee zu verbalisieren, diese vergessen bzw. sie später einfach nicht mehr nennen, da sie ihnen nicht mehr relevant erscheint.
  • Eine weitere Theorie vermutete, dass Teammitglieder Angst vor der negativen Beurteilungen der anderen haben und daher ihre Ideen nicht nennen.
  • Die Theorie des sozialen Faulenzens hingegen vermutete, dass die Teammitglieder in der Gruppe einfach aufhören mitzumachen und sich anzustrengen. Das Durcheinanderreden im Brainstroming schafft die perfekte Grundlage dafür, dass es niemanden auffällt, wenn sich jemand herausnimmt und einfach nicht mehr mitarbeitet.

Es gab eine ganze Menge an Vermutungen. Doch durch ein sehr findiges Untersuchungsdesign gelang es den Forschern Michael Diehl und Wolfgang Stroebe (1987) das Rätsel um die Wirkungslosigkeit von Brainstorming aufklären.

In ihrer Untersuchung sollten Probanden entweder allein oder in einem Viererteam möglichst viele und vor allem gute Ideen zu der Frage, wie man die Beziehung zwischen Deutschen und Gastarbeitern verbessern könnte, generieren. Außerdem bauten die beiden Forscher einige zusätzliche Bedingungen ein. Bei einigen Probanden wurde die Bewertungsangst durch Videoaufzeichnungen erhöht und wieder andere wurden durch künstliche Sprechpausen blockiert.

Durch das Einführen von diesen weiteren Versuchsbedingungen konnten Diehl und Stroebe nachweisen, dass das Hauptproblem des Brainstromings schlussendlich die Produktionsblockierung ist. Dadurch, dass ein anderer gerade spricht, muss die eigene Idee zurückgehalten werden. Beschäftigt mit dem Zurückhalten und Merken der Idee, kann unser Gehirn nicht gleichzeitig auch noch neue generieren und speichern. Erst muss die bereits vorhandene Idee geäußert werden, bevor neue Ideen entstehen können … und genau das hält auf.

 

Die Nutzlosigkeit des Brainstormings

Neben diesem Erkenntnisgewinn untermauerte diese Untersuchung, die Nutzlosigkeit von Brainstorming. Während vier beliebige Einzelpersonen in Summe etwa 74 Ideen generierten, kamen die Viererteams nur auf 27. Betrachten wir uns die Qualität der Ideen, wird das Plädoyer gegen Brainstroming noch stärker. Denn tatsächlich kamen die Teams nur auf 3 gute Ideen. Vier beliebige Einzelpersonen in Summe jedoch auf 8 gute Ideen.

Erschreckende Ergebnisse, aber noch bedauerlicher ist es, dass diese Methode heutzutage immer noch mit Vorliebe eingesetzt wird. Falls Sie sich jetzt fragen, welche Konsequenzen wir aus diesen Ergebnissen ziehen können und wie es uns dennoch gelingt im Team gute Ideen zu generieren, dann habe ich eine Antwort.

 

Wie sehen Alternativen für Brainstorming aus? 

Auf den Punkt gebracht, ist das Problem am Brainstorming, dass alle Teammitglieder durcheinander reden. Dadurch können wir unsere Ideen nicht direkt loswerden und werden ausgebremst.

Eine gute Lösung biete da das BrainWRITING!

Der Grundgedanke des Brainwritings ist, dass jedes Teammitglied allein für sich seine Ideen schriftlich notiert. Alle anderen Mitglieder haben allerdings Zugriff auf das Dokument, können Anmerkungen und Weiterentwicklungen der Idee notieren. Anschließende werden die Ergebnisse in der Gruppe diskutiert und evaluiert.

Angekommen in der Ära von "Cloud", "Shared" und "Real-time Sync" spielt die Zeit mit uns. Es gibt geniale digitale Helfer, die es uns ermöglich gemeinsam Ideen zu generieren und auszutauschen. Und zwar jeder für sich, wann, wo und wie lange er will.

Dies soll auch mein Abschlusssatz in meinem Plädoyer gegen das Brainstorming sein. Wie immer freue ich mich über Feedback, Anregungen und Fragen!

 

Quellen:

Taylor, Berry & Block (1985). Does group participation when using brainstorming facilitate or inhibit creative thinking. Administrative Science Quarterly, Vol. 3, 23-47.

Diehl & Stroebe (1987). Productivity loss in brainstorming groups: Toward the solution of a riddle. Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 53(3), 497-509.

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